Wunderburger Muttergottes-Lied
Hier vor deinem Bilde wir in Demut steh'n.
Gottesmutter milde hör' mein kindlich Fleh'n:
Himmelsmutter, segne mich, ich bitte dich: o segne mich,
Mutter, innig bitt' ich dich: o segne, segne mich!
Blicke auf uns nieder wenn Versuchung naht,
Führe du uns wieder auf der Tugend Pfad.
Mutter, o verlaß mich nicht, wenn's Auge bricht, verlaß' mich nicht,
wenn im Tod das Auge bricht, verlaß' mich, Mutter, nicht!
Macht der Kelch der Leiden unser Los auch schwer,
Wandle sie in Freuden durch der Liebe Meer
Himmelsmutter, segne mich, ich bitte dich: o segne mich,
Mutter, innig bitt' ich dich: o segne, segne mich!
Wenn die Seele scheidet, bitt' bei deinem Sohn,
Daß er dann bereitet uns des Himmels Lohn.
Mutter, o verlaß' mich nicht! wenn's Auge bricht, verlaß' mich nicht,
wenn im Tod das Auge bricht, verlaß' mich, Mutter, nicht!”
Das Wunderburger Marienlied
Seit 1919 wird in der Wunderburg sehr gerne - besonders an Marienfesten und bei Marienandachten das Lied "Hier vor deinem Bilde" gesungen.
Die letzte Strophe "Wenn die Seele scheidet" erklingt bei der Beerdigung der Pfarrangehörigen als Abschluß der Gebete am Grab.
Der Verfasser des Liedes: Max Schäfer (1891-1922)
Lehrer Max Schäfer, geboren am 22.04.1891, verbrachte seine Kindheit und Jugendjahre im elterlichen Anwesen Jägerstr. 1. Nach dem Besuch der Volksschule trat er in die Präparandenschule ein und besuchte anschließend das Lehrerseminar. 1910 schloß er seine Ausbildung ab und kam als Praktikant an die Wunderburgschule. Seine erste und definitive Schulstelle war Oberwarmensteinach im Fichtelgebirge. Nicht immun genug gegen das dortige rauhe Klima und die grimmige Winterkälte erkrankte der beliebte Erzieher an den für den Lehrerberuf wichtigen Sprachorganen. Da keine Besserung eintrat und er seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte, beantragte er seine Pensionierung. Er zog sich in sein Elternhaus zurück und ertrug seine schwere Krankheit mit großer Geduld. So gut er es noch konnte, übernahm Schäfer den Orgeldienst an der Wunderburger Kirche und erteilte Musikunterricht. Zeitzeugen von damals bestätigen, dass er ein tiefreligiöser Mann war. In seiner Leidenszeit, die er mit Ergebung und Gottvertrauen ertrug, verfaßte er Text und Melodie seines innigen Marienliedes. Es ist vielen ans Herz gewachsen, die in Leid und Not die "Mutter von der immerwährenden Hilfe" um ihre Fürbitte anrufen. Am Fest Allerheiligen 1922 starb Max Schäfer im Alter von erst 31 Jahren. Sein Name steht noch heute auf dem Grabstein der Familie Schäfer gleich in der Nähe der Aussegnungshalle auf dem Bamberger Friedhof. Sein Lied aber wird weitergetragen - auch schon an manchen Orten außerhalb der Wunderburg - von Generation zu Generation.